Studienreise der SchuhmacherInnen im Juni 2015

On 6. Juli 2015

SAMSUNG CAMERA PICTURESDie SchuhmacherInnenklasse bei Hartmut Seidich (rechts) in Herne.

Dem obligatorischen Besuch bei der Gerberei Rendenbach und der Deutschen Schuhfachschule folgte ein Besuch bei Peter Kaiser, dem Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens (PFI), den Schäftehersteller Seidich und den Leistenhersteller Spenle.

Im Folgenden sind einige Eindrücke der Reise in Berichten von den Auszubildenden beschrieben:

Spenlé – Nach einem Vormittag im Bus in der wir die Vorzüge von Doppelsitzen für jeden genießen konnten, kommen wir gen Mittag an unserer ersten Besichtigungsstation an. Ellrich im Südharz. Buchenreiche Gebirgsregion und einstmals weit entwickelte Metallindustrie. Perfekt für die Ansiedlung von industrialisierter Holzbearbeitung damals und heute immer noch. Am Ende einer dörflichen Kleinstadtstraße voller teils verwitterter und eingesunkener Fachwerkhäuser, befindet sich eine lange niedrige Werkshalle, über die sich ein Schornstein erhebt. Kaum zu glauben, dass es hier überhaupt Industrie gibt. Wir verfolgen Schritt für Schritt mit dem Kopf wie mit den Füßen die Stationen, die der frische Baumstamm – kaum zu glauben – aus den nahen Wäldern nimmt. Wie er portioniert, gedämpft, getrocknet, gefräst und fein bearbeitet wird. Wer hätte gedacht, dass das Holz zunächst ein ausgedehntes Wellnessprogramm durchläuft, bevor es an die eigentliche Arbeit geht. Im Trockenschuppen lauschen wir dem leisen, andächtigen Hauchen der Luftumwälzanlage und riechen das Gemisch aus Holz und Wachs. Endlich in der großen Werkstatt können wir mehrere Generationen von Fräsemaschinen beobachten. Gleichwertig nebeneinander stehen hier die alten Hasen an Kopiermaschinen und ganz neue, hochmoderne Ungetüme, die geschützt hinter Glas das Holz nach Computermodellen bearbeiten. Dann folgt wieder die Handarbeit, denn sehr vieles ist eben – sehr beruhigend – doch von einer Maschine ohne menschliche Leitung nicht zu bewerkstelligen. Am Ende stehen Regalwagen voller glatter Leisten in allen erdenklichen und auch ungewöhnlichen Formen.
Entweder sind wir am Ende erschlagen von den Eindrücken oder es wurde doch alles ausreichend erklärt, denn Fragen wollen uns nicht mehr so recht einfallen. Wer mit langen Treibriemen quer durch die Halle oder einer Hippe auf einem Holzblock gerechnet hatte, sucht vergebens. Doch die Atmosphäre des Ortes und der seit Beginn an genutzten Betriebsgebäude sind genug historisches Futter für den, der Hunger auf traditionelles Handwerk hat.

PFI – Das PFI wirkt mit seiner Fassade und der Lage in einem Gewerbepark mehr wie ein Autohaus als eine wissenschaftliche Einrichtung und man merkt auch drinnen erst nicht, dass hier eigentlich praktisch gearbeitet wird. Zuerst geht es in die chemische Abteilung. Uns erwartet ein konstant in sich hinein lächelnder Dr. chem. Was für einen Zen-Mönch sein Buddhismus, ist diesem Herrn wohl das Zerkleinern, Auflösen und zu Gas verdampfen jeglicher möglicher Schuhingredienzien. Noch einer, der mit seinem Beruf zu einer Einheit verschmolzen zu sein scheint. Total sympathisch! Das Labor? Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Das anschaulichste hier ist das Zerschneiden der Schuhe ganz zu Anfang, danach erwarten uns Küchenzeile um Küchenzeile mit diversen High-Tech-Würfeln voll hochempfindlicher Technik. Interessant, sicherlich! Und mit dem einen oder anderen Augenzwinkern vorgetragen, keine Frage! Doch wir verlassen die Abteilung am Ende mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn. Da muss es in der Physik doch plastischer zugehen. Uns erwartet eine mindestens ebenso begeisterte Sachverständige und führt uns vorbei an Sohlen-biege-Maschine, Stiefel-plansch-Apparat und Faser-Abrieb-Spirograph. Muss ein spannender Beruf sein, sich all diese Maschinen auszudenken. Gerne hätten wir noch mehr Technik in Aktion gesehen und erfahren, wie man diese oder jene Bruchstelle am Schuh simuliert. (Leider) scheint momentan mit den Konfektionsschuhen alles in Ordnung zu sein und es sind nur wenig Apparate in Aktion. Am Ende fühlen wir uns geplättet, schlauer als vorher, aber geplättet. Theorie-overdose und auch die lange Fahrt aus dem Südharz hierher haben ihr Möglichstes getan! Jetzt noch einmal auf die Autobahn und dann ab in die Hütte!

Seidich Schäfte – Herr Seidich hat sich sehr viel Mühe gegeben, und uns sehr freundlich und herzlich begrüßt. Es gab Getränke und Süßes, sowie eine schöne Sitzgelegenheit im Garten. Außerdem waren viele verschiedene Anschauungsobjekte von einem Leisten in Größe 62, Trippen, Bestandteile von Schuhcreme, div. Handgenähte Schäfte, 200 Jahre alte Schuhe, Schusterkugeln, viele verschiedene Leder von Lachs bis Straussenbein, Nagelstiefel mit Steigeisen, ein Walz-Tagebuch eines Schuhmachergesellen aus dem Jahr 1821 und vieles mehr zu sehen.
Die Führung wurde von Herrn Seidich durchgeführt und man konnte ihm seine Begeisterung für sein Handwerk deutlich anmerken. Er hat es sehr interessant, abwechslungsreich und professionell gestaltet, obwohl es seine erste Führung war.
Die Führung war zu keinen Moment trocken oder langweilig, da er viel Anschauungsmaterialen hatte, die aus seiner Firma und aus dem privaten Besitz von Herrn Seidich kam. Die zwei Stunden vergingen sehr schnell und wir hätten locker die doppelte zeit gebrauchen können. Wir kommen wieder!

Rentenbach ist eine Gerberei in Trier, die hochwertiges Bodenleder nach alter Ttradition in pflanzlicher Grubengerbung herstellt. Wir durften uns mit einer umfangreichen Führung einen Eindruck von der Gerberei Rendenbach verschaffen und sahen wie die Haut einer „glücklichen“ Kuh verarbeitet wird:
Zu sehen waren die rohen, gesalzenen und nicht so gut riechenden Häute, den Vorgang des Entfleischens, Einweichens, die wohl riechenden rein pflanzlichen Gerbstoffe wie gemahlene Eicheln, Valonea genannt, Fichten-, Eichen und Mimosarinde für die anschließende Grubengerbung und des Gerben in den über 100 Jahre alten Gruben, die Lagerung und die Weiterverarbeitung zu Absätzen und Sohlen.
Die Führung selbst war sehr interessant und aufschlussreich. Wir konnten viele Maschinen von neuster Technik aber auch alte Verfahren sehen die uns beeindruckten. Zum Abschluss wurden wir wieder von Herrn Rendenbach neben der Porta Nigra zum Mittagessen eingeladen.

Die Besichtigung der industriellen Schuhherstellung bei Peter Kaiser – Eindrücke der SchülerInnen: „Was mich sehr begeistert hat war der Arbeitsablauf wie der Schuh von Station zu Station ging bis zum fertigen Schuh.
Das maschinelle Zwicken und Nageln ging innerhalb von Sekunden was normalerweise sehr viel Zeit kostet.
Die Zuschneidemaschine die das Leder mit Laserschablonen zugeschnitten hat sah sehr beeindruckend aus.
Aber bei jeder Abteilung hing eine große digitale Tafel die angezeigt hat wie viel die Abteilung bei der Produktion im Minus oder Plus steht.
Jeder hat eine bestimmte Aufgabe die über Jahre gemacht werden muss.“

 

 

 

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